Nüwa erschafft die Menschen
Als Himmel und Erde zu Beginn entstanden, war die Welt leer und weit, und nur die Göttin Nüwa war allein. Sie formte aus gelbem Lehm nach ihrem eigenen Abbild kleine Lehmfiguren und hauchte ihnen Leben ein. Als die Zahl der Lehmfiguren zu gering war, tauchte sie eine Ranke in den Schlamm, schleuderte sie zur Erde und erschuf so noch mehr Menschen. Von da an war die Erde von Leben, Freude und Lachen erfüllt. Die Menschheit vermehrte sich, und die Göttin Nüwa kam oft, um alle zu besuchen, stets mit einem sanften Lächeln im Gesicht.
Nüwa erschafft die Menschen
Vor langer, langer Zeit, als Himmel und Erde gerade getrennt waren, war die Welt sehr leer – es gab nur grüne Berge und klares Wasser, keine kleinen Kinder und keine Menschen, die sprechen konnten. Die Göttin Nüwa trug ein langes, buntes Kleid und saß auf einem großen Stein am Flussufer, wo sie gedankenverloren auf das klare Wasser blickte: „Wie schön wäre es, wenn ich Spielkameraden hätte, die mit mir reden!“
Die Göttin Nüwa hob etwas gelben Lehm vom Flussufer auf und knetete ihn – ach, der gelbe Lehm war weich und ließ sich so gut formen wie Zuckerwatte! Sie blickte auf ihre Hände und hatte plötzlich eine Idee: „Ich werde nach meinem eigenen Abbild aus gelbem Lehm Spielkameraden formen, die sprechen und lachen können!“ Schnell hockte sie sich hin und rollte den Lehm in ihren Handflächen.
Zuerst formte Nüwa den gelben Lehm zu einem runden Kopf, dann knetete sie einen kleinen Körper, fügte dünne Arme und Beine hinzu und ritzte schließlich mit einem kleinen Stein sanft Augen, Nase und Mund hinein. „Huuu –“ Sie hauchte die kleine Lehmfigur an, und plötzlich wurde sie lebendig! Sie winkte mit ihren kleinen Händen und rief: „Göttin Nüwa, Göttin Nüwa!“
Je mehr Nüwa formte, desto glücklicher wurde sie. Eins, zwei, drei ... Bald war das Flussufer voller kleiner Lehmfiguren! Einige jagten Schmetterlingen nach, andere spielten am Wasser und wieder andere zogen schmeichelnd an Nüwas Rocksaum. Nüwa sagte lächelnd: „Von nun an seid ihr die Kinder der Menschheit. Lebt wohl auf dieser Erde!“
Nachdem sie den ganzen Tag geformt hatte, schmerzten Nüwas Arme und ihre Finger taten ein wenig weh. Sie blickte auf die weite, leere Erde und dachte: „Diese Welt ist so groß, nur so wenige Lehmfiguren zu formen, ist immer noch zu einsam. Aber ich habe wirklich nicht mehr die Kraft, sie eine nach der anderen zu formen ...“ Sie saß auf dem Stein und rieb sich sanft die Arme.
Nüwa blickte auf und sah, dass an den Weiden am Flussufer lange, saftig grüne Ranken hingen, die wie kleine Peitschen aussahen. Plötzlich sprang sie auf: „Ich hab's!“ Sie pflückte eine Ranke und tauchte sie in den Schlamm am Flussufer – der Schlamm war leuchtend gelb und haftete an der Ranke wie kleine Perlen.
Nüwa hielt die Ranke fest und schwang sie sanft gen Himmel! „Platsch, platsch –“ Die Schlammtropfen von der Ranke spritzten auf die Erde und verwandelten sich in lauter kleine Lehmfiguren! Einige landeten auf der Wiese, andere am kleinen Fluss und wieder andere am Berghang. Sie wurden sofort lebendig, und überall war Gelächter zu hören.
Nüwa schwang die Ranke unaufhörlich, und die Schlammpunkte fielen wie Regen auf die Erde, sodass immer mehr kleine Lehmfiguren zum Leben erwachten. Einige lernten, Bäume zu pflanzen, andere lernten, Fische zu fangen, und wieder andere versammelten sich, um zu singen. Die Erde war nicht länger leer, überall war fröhliches Geplapper zu hören, und es war sehr lebhaft.
Als es dunkel wurde, versammelten sich die kleinen Lehmfiguren um Nüwa, saßen auf der Wiese und schauten die Sterne an. Nüwa sagte: „Ihr sollt euch gegenseitig helfen, gemeinsam auf der Erde aufwachsen und leben. Später sollt ihr auch eure eigenen Kinder haben, damit die Menschheit sich immer weiter fortpflanzt!“ Die kleinen Lehmfiguren riefen im Chor: „Das werden wir uns merken!“
Von da an vermehrten sich die Menschen langsam auf der Erde und wurden immer zahlreicher. Sie lernten, das Land zu bebauen, Häuser zu bauen, zu singen und zu tanzen, und sie erinnerten sich daran, dass die Göttin Nüwa sie aus gelbem Lehm und einer Ranke erschaffen hatte. Auch die Göttin Nüwa kam oft, um sie zu besuchen. Wenn sie das glückliche Leben der Menschen sah, lag immer ein sanftes Lächeln auf ihrem Gesicht.
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